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Genie und Wahnsinn liegen nahe bei einander, da
besteht kein Zweifel. Hartmut und Norbert Bretz entschieden sich für
den genialen Wahnsinn und machen seit nunmehr acht Jahren als
"Duo infernale" die rauhe Welt der Polstermöbelhersteller
unsicher.
Bei ihren Steckbriefen musste es so kommen: Hartmut (38) Studium
der Betriebswirtschaftslehre und Psychologie mit Promotion, zusätzlich
Ausbildung zum Jogalehrer - Norbert (33) identischer
Studienabschluss und einjährige Vogelfreiheit.
Doch nach Übernahme des Familienunternehmens durch die jungen
Wilden kreiste zwei Jahre später der Pleitegeier über dem
Fabrikgelände. Mit aufgebretzelten Modellen konnte der
Vogel schließlich abgeschossen werden und landete in mutierter
Gestalt als Sofakissen in Entenform. Inzwischen liegen die
Absatzzahlen für die Kollektion in fünfstelliger Höhe. Auf die
Eröffnung eines Bretz- Shops in Singapur folgte der erste
Auftritt in den USA. Selbst Firmengründer und Urgroßvater Johann
Bretz würde heute seinen Augen nicht trauen, wenn er die
abgedrehten Sitzmöbel aus dem rheinischen Designlaboratorium zu
Gesicht bekäme. Warten doch seine Anfänge wesentlich bodenständiger!
Als Bauer und gelernter Klempner gründete er 1895 eine Fabrik für
Blech- und Drahtartikel. Eines hat sich seit dieser Zeit nicht verändert,
Bretz war immer auf Zack: vom Draht zum Zaun - vom Zaun zur
Drahtmatratze mit feinem Maschengewebe - zur Auflagematratze und
schließlich zum Sofa.
Erst nach dem Zweiten Weltkrieg spezialisierte sich das damalige
Unternehmen Bretz & Co. Gensingen ausschließlich auf Sitzmöbel,
mit farbenfrohen Sofas der Gegenwart nicht nur Gemeinsamkeit der
handwerklichen Fertigung haben.
Beide Sofagenerationen besitzen Kultstatus. Die alten erweisen
sich als begehrte Objekte auf Floh- und Sammlermärkten.
Die neuen treffen den Geschmack einer ganzen Generation, die dem
Einheitsbrei der Etablierten längst überdrüssig geworden ist
und nach neuen Ausdrucksformen sucht. Statt gediegener
Sachlichkeit dominieren bei Bretz plüschige Zebrabezüge oder
verruchtes Rot in Kombination mit barocken Tatzenfüßen,
wahlweise auch mit Sprungfedern aus der Mechanikerwerkstatt.
Alles ist machbar - bei je 100 verschiedenen Modelltypen, 100 Bezügen
und 100 Füßen, Quasten oder Knöpfen ergibt das rund 1 Million
Kombinationsmöglichkeiten.
Jedes Sofa avanciert letztendlich zum individuell gefertigt
Einzelstück, das in den eigen vier Wänden Lebensfreude und persönlichen
Stil vermittelt, ganz nah dem Motto: "Mach´ Dir die Marke zu
eigen, Dein Sofa zum Bild Deiner Seele. Erfinde Dein Cult-Sofa ,
weniger ist Panne." |




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